Türe mit Blendrahmen aus Fichte
Im Zuge der Fertigstellung des Praxisraumes für meine Frau, habe ich ja bereits eine neue Eingangstüre und ein neues Schaufenster eingebaut.
Der neu kreierte Durchgang zum Hauptbereich des Hauses, welcher durch die Zusammenlegung der beiden WC’s und der Nutzung der bestehenden Türöffnungen entstanden ist, braucht noch eine neue Tür zum Praxisraum. Da die Durchgangshöhe durch den gedämmten Bodenaufbau und die Breite auch den Dämmputz abgenommen hat, wollte ich nicht noch mehr Raum verlieren und habe mich für einen Blendrahmen entschieden.
Materialbeschaffung
Als Rohmaterial habe ich mir für den Rahmen Fichtenstaffeln mit 44 mm * 90 mm vom Sägewerk geholt, für die Tür zwei 3-Schicht Platten und 5 mm * 60 mm Fichtenleisten vom Baumarkt.
Da es eine WC-Türe ist, braucht es auch einen entsprechenden WC-Beschlag mit typischem Schlosskasten, welcher sogar im Baumarkt mit höher Qualität (dormakaba) verfügbar war und zur erleichterung ein verstellbares Schliessblech (dormakaba). Die Beschläge sind in Messing gehalten. Die Drückergarnitur vom Fachhandel (bestes Design) und die Türbänder vom Baumarkt. Ich weiss, klingt langweilig, für die Konstruktion (oder den Nachbau) aber essentiell. Die Türdichtungen sind von Amazon.
Konstruktion
Nach ein paar Tagen des nebenläufigen Nachdenkens über Details, habe ich mit der digitalen Konstruktion in Fusion 360 begonnen.
Das erstellen der Werkzeugwege in der Fusion 360 CAM-Umgebung (Computer Aided Manufacturing), hat wie üblich viel Zeit und Konzentration in Anspruch genommen.
Fertigung
Die Rahmenteile zu fräsen hatte aufgrund der Dichtungen eine besondere Herausforderung parat. Die Dichtung brauch eine 4 mm-Nut, welche jedoch im Rahmenfalz ist und somit einen langen dünnen Fräser braucht bei 6,5 mm Nuttiefe, mit, Nutgrund um 33,5 mm abgesetzt von der Oberkante.
Nachdem anfänglich die Nut trotz nur 1 mm Zustellung pro Arbeitsgang fast 5 mm breit und sehr unansehnlich geworden ist, ist bei der ersten Berührung eines kleinen Astes im Holz, der Fräser natürlich abgebrochen. Nach Überlegungen hin zu Oberfräse mit Scheibennutfräser oder Tischkreissäge mit 2. Durchgang mit seitlicher Zustellung (Kreissägeblatt nur knapp 3 mm breit), habe ich glücklicherweise einen 4mm-Fräser, einschneidig mit 8 mm-Schaft und einer Arbeitslänge von 10 mm, neu, scharf und unbenutzt, in der Oberfräsenkiste gefunden - der Tag war gerettet!
Nach einem Weiteren Teststück, in welchem ich ausserdem noch die Grösse der Bohrung für die Türbänder ausprobiert habe, konnte ich endlich mit der Produktion beginnen.
Dank der Waagrecht-Niederzugspanner von Bessey und dem entsprechenden Lochraster mit 20mm-Bohrungen mit 100 mm Abstand (versetzt dazu M8 Innengewinde für Spannpratzen), ist die Werkstückbearbeitung ein Traum. Man unterschätzt gerne wie viel Aufwand, das Befestigungskonzept und dessen Ausführung erfordert.
Die Aussparung für das Schliessblech und die Befestigungslöcher für die Türbänder wurden präzise eingefräst, der Falz und die Nut sind perfekt geworden.
Für die Ausrichtung des 3-Schichtigen aufbaus der Tür, bestehend aus zwei 3-Schicht-Platten (Fichte) und einem schmalen Zwischenrahmen, um die für das Schloss benötigte Türstärke zu erreichen, habe ich bereits Löcher für Holzdübel gefräst. Beim verleimen konnte ich somit entspannt den Leim auftragen und dank der Dübel alle schichten aufeinanderlegen und mit Hilfe von grossen Kanthölzern auf den Frästisch niederspannen.
Montage
Zur Montage habe ich eine 3D-Gedruckte Lehre entworfen, welche sich mit einer Zwinge am Blendrahmen befestigen lässt, und es mir erlaubt, genau im Falz eine manuelle Bohrung zu erstellen. Im ersten arbeitsschritt mit einem Holzbohrer, welcher es dem Schraubenkopf spater erlaubt ohne ausriß versenkt zu werden. Im Zweiten durchgang (nach versetzen der Lehre) mit einem 6mm Schlangenborher ein Loch bis auf den Putz, um später mit dem Bohrhammer das Loch in die Mauer zu erweitern. Die Würth Fensterschrauben wurden je nach beim Bohren gefühlten Untergrundverhälltnissen mit einer länge zwischen 160-300mm versenkt, um die benötigte Stabilität zu erreichen. Das Anbringen der Türbürste als finale Aktion vervollständigt die für meine größe geeignete Türe.
Ergebnis
Die Tür schließt nach erfolgter Einstellung der Beschläge einwandfrei und dicht. Nach dem zeihen aller Acrylfugen und der Montage der Beschläge bemerkt man eine schöne Holztüre, welche von den meisten Besuchern nur für ihre Holzoptik geschätzt wird, jedoch nicht als Eigenbau erkannt wird. Somit bin ich sehr mit meinem Ergebnis zufrieden.
Messing-Schalterpaneel Praxisraum
Messing-Schalterpaneel Praxisraum
Als Krönung des bereits wunderschönen Praxisraumes, habe ich mir für meine Frau etwas besonderes überlegt.
Bekekanntlich erhellt erst die Beleuchtung einen Raum mit vielfältigen Stimmungen.
Wo es Licht gibt, gibt es aber auch Schatten, in diesem Falle Lichtschalter, noch schlimmer - viele Lichtschalter.
So habe ich mir ein Konzept überlegt, bei dem die Lichtschalter nicht nur wegfallen, sondern durch etwas Schönes ersetzt werden. So wurde aus dem Schandfleck ein Schmuckstück.
Wie im Bild zu sehen, ist die Positionierung der einzelnen Taster, der Aufteilung des Raumes nachempfunden, was die Usability gemeinsam mit der für sich sprechenden Laser-Gravur (Galvo-Laser X-Tool F1) abrundet.
Da ich, durch den Exzessiv aufgetragenen Kalk-Perlite-Innen-Dämmputz und der damit einhergehenden schweren Einschätzbarkeit der benötigten Putzmenge, alle Steckdosen, Abzweigdosen, Lampendübel usw. eher konservativ (lieber zu tief in der Wand als überstehend) platziert habe, ergibt sich bei dieser großen Abzweigdose ein unregelmässiges Bild, bei welchem die Parallelität der 200er Abzweigdose mit der Wandoberfläche nicht gegeben ist. Nach kurzem Herumspielen am CAD-Programm habe ich gemerkt, dass eine Ausrichtung der Ebene kombiniert mit der Erhaltung / Erzeugung der horizontalen Ausrichtung aufwändig würde und in vielen Einzelteilen mündete.
Kurzentschlossen habe ich meinen 3D-Scanner (Shining EinStar) ausgepackt und die Dose gescannt.
Beim dritten Versuch habe ich die richtigen Einstellungen erwischt und konnte aus der Punktewolke eine sinnvolle Referenz-Oberfläche gestalten, welche ich im stl-Format in Fusion exportiert habe. Nach der Anfänglichen Fehlskalierung (import standartmässig in cm statt mm) des imporiterten Netzkörpers und dem dazugehörigen Workaround, und der Reduktion der (zu) zahlreichen Dreiecke um 95% haben auch Pan und Zoom wieder ordentlich funktioniert.
So habe ich einen Rahmen designt, welcher den Versatz und die Rotation der Ebenen korrigiert und mit meinem 3D-Drucker gedruckt.
Wie das beim prototypisieren immer mal wieder vorkommt, habe ich dann m5-Innengewinde gedruckt, anstatt der zu den bestellten m4-Messing-Hutmuttern passenden Gewinden, an den Toleranzen konnte ich auch noch ein wenig feilen - der 2te Druck hat Spot-On gepasst.
Nach dem Ausfräsen der Kontur, der Befestingungslöcher und der Taster, mit der althergebrachten Technik der Kreppband-Sekundenkleber-Aktivator-Methode, und einigem Entgraten, habe ich die Taster befestigt und mit dem Lasern begonnen.
Nach mehreren Test-Arrays, um die geeigneten Einstellungen zu finden, hatte ich schon die Vermutung, dass die Reflexionseigenschaften des verwendeten Messing-Dünnbleches, das Gravieren nur im zentralen Bereich erlaubt. Beim versuch den Maximalen Gravurbereich zu verwenden hat sich das bestätigt, im Zentralen Bereich eine angenehm dunkle Gravur, in den Randbereichen teilweise kaum sichtbar. So hat sich dann die Gravur schwieriger gestaltet als angenommen. Da die XTool Creative Space Software, welche den Laser steuert, erlaubt keine Elemente ausserhalb des Gravurbereiches, somit musste ich für jede Beschriftung einen Durchgang Flächengravur und einen Durchgang Konturgravur vorbereiten und ausrichten, und jeweils alle anderen Elemente löschen.
Nachdem anstatt der geschätzten Stunde der ganze Abend mit mit dem ganzen Hin und Her vergangen war, war keine Zeit mehr für die Installation da, schade.
Am nächsten Tag in neuer Frische habe ich die zwei Netzwerkkabel, welche zum Elektro-Unterverteiler führen entsprechend angelötet.
Das ganze Projekt wurde erst möglich, durch die Verwendung von Reiheneinbaugeräten der Firma Eltako. Im Programm sind sowohl 4 Stück der LED-Universaldimmer EUD12D-UC und auch der 4-Fach universal Stromstossrelais ESR12Z-4DX-UC. Beide unterstützen UC (Universal Current), was so viel heisst, wie dass Gleich- oder Wechselspannung von 12 - 230 Volt zur Ansteuerung genutzt werden können. Ausserdem unterstützen beide den Zentralen Ein respektive Aus Befehl, was die Möglichkeit gibt, alle Leuchten (18 + 1 Deckenspots und 6 Wandleuchten) zentral auszuschalten, oder wieder auf die letztgewählte Dimmstufe einzuschalten.
(In weiterer Folge habe ich unser Haus bereits zu grossen Teilen mit KNX automatisiert, somit werde ich einen 8-Fach KNX-Dimmaktor und einen mehrfachen digitalen eingangsbaustein verwenden, um auch diesen Raum auf die App-/Zentralsteuerung zu bringen.)
Durch das jeweiligen Tasters, wird die Dimmstufe abwechselnd erhöht oder verringert, ein kurzer Tastendruck schaltet Ein, respektive Aus. Den Finalen Touch gibt die Soft-Ein-Aus-Funktion, welche das Licht durch Dimmen sehr angenehm entstehen oder vergehen lässt, wenn geschaltet wird.
Insgesamt wirkt das Ergebnis auf mich Stimmig und integriert sich als Blickfang wunderbar in die angenehme Atmosphäre des Praxisraumes meiner Frau.